Sehnsucht nach Sehen (Themenabend Materialkunde: Sehnenbau)

Für Freitag, den 21. April 2017, hatte Peter zum Themenabend Materialkunde eingeladen. Diesmal ging es rund um die Sehne.
In gemütlicher, lockerer Atmosphäre, bei Getränken und Knabbereien, saßen Diana, Ursula mit ihrem Karl, Hartmut, Michael, Frank und Claus in Peter's Heim und lauschten Peter's unerschöpflichen Erfahrungen. Natürlich wurde er auch diesmal wieder von Iris unterstützt, die ihrerseits erzählte, dass sie erstmal eine Weile an Paketschnur üben musste, bevor sie eine "richtige" Sehne bauen durfte. Ein Stichwort, das den Abend heiter begleitete.
Zum Einsatz kam Peter's Sehnen-Wickelgalgen, ein über 40 Jahre alter Eigenbau, der seinerzeit aus Spermüllfunden liebevoll zusammen geklöppelt wurde. Peter erzählte, dass in der damaligen Zeit die Sehnen aus "Kevlar" gefertigt wurden, aber im Grunde nur wenige hundert Schuß hielten. So wurde Sehnenwickeln eine zeitintensive Freizeitbeschäftigung für den leistungsorientierten Bogensportler.
Das Fastflight Sehnengarn, das wir an dem Abend verbaut haben, besteht aus Kunststoff, wie auch die Wickelgarne für die Mittenwicklung, die Öhrchen und die Nockpunkte.
Und schon ging es los.

Das Wichtigste überhaupt. Die Farbwahl!
Peter hatte im wahrsten Sinne des Wortes eine bunte Auswahl zur Verfügung, ... und "pink". Über Geschmack lässt sich ja bekanntermaßen nicht streiten, so dass hier jeder seine ästhetischen Vorstellungen im Rahmen der Möglichkeiten ausschöpfen konnte. Dabei stellte sich heraus, dass es aus praktischen Erwägungen durchaus sinnvoll ist, 2 kontrastreiche Farben zu verwenden, um die gute Sichtbarkeit des "Sehnenschattens" bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen zu gewährleisten. Dann wurden "Endlos-Sehnen" mit "14+1" Strängen gefertigt. 7 Runden mit dem Sehnengarn gedreht, nicht zu stramm und nicht zu locker und vor allem alle gleich ... puh, das erfordert wirklich Übung und Erfahrung. Die Mittenwicklung wird dann noch mit einem Strang Wickelgarn unterlegt, das macht in Summe "14+1" Stränge. Die passen perfekt zu den üblicherweise verwendeten G-Nocken ( 0,88).
Peter erklärte weiter das Vorgehen zum sauberen Verarbeiten der Anfänge und Enden bei der Wicklung der Öhrchen und der Mittenwicklung, den Umgang mit dem Wickelgerät, die verwendeten Maße und den richtigen Einsatz des Sehnenwachses. Die Enden des im Kreis gewickelten Sehnengarns verschwinden im Übrigen in den umwickelten Öhrchen.
Auch für die Arbeit mit dem Wickelgerät braucht es Erfahrung, um mit den richtigen Einstellungen und dem richtigen Schwung eine saubere Wicklung in so kurzer Zeit hinzubekommen.
Dann war die Sehne soweit erstmal fertig und konnte aufgespannt werden um die Nockpunkte zu setzen. (Hier konnten wir dann auch das eine oder andere neu erworbene Mittelteil bewundern.)
Hier erklärte Peter dann die Vor- und Nachteile von Metallnockpunkten zu den von ihm bevorzugten gewickelten Nockpunkten. Und wir hatten wieder die Qual der Farbwahl. Auch hier bot sich eine, zur schwarzen Mittenwicklung, kontrastreiche Farbe an. Zur Herstellung der Nockpunkte wird ein Drittel des Wickelgarns und Pattex benutzt. Das hat den Vorteil, dass die Verbindung nicht ganz starr ist und auch nochmal leicht in die eine oder andere Richtung verändert werden kann.
Spätestens jetzt schwirrte Einigen der Kopf, sei es wegen der Menge an Informationen, oder auch wegen des Klebstoffes, man weiß es nicht.
Zum Schluß erklärte Peter noch die Funktion und Position einer Mundmarke, die, ähnlich zu den Nockpunkten, mit Garn an der Sehne fixiert wurde.
Dann gab es noch ein bisschen Zeit, in der der Kleber trocknete, um in Peter's Schatzkiste zu schauen. Hier gab es elegante Bögen aus Holz, aus den 70er Jahren stammend, bis hin zu seinem schwedischen Stahlbogen, der vor allem durch sein Gewicht beeindruckte. Spannend zu sehen, wie sich das Material im Bogensport über die Jahre immer wieder verändert und weiterentwickelt hat.
So klang der schöne Abend aus und alle, die es wollten, bekamen von Peter noch ein Stück Waschleder zur Pflege der neuen Sehne in die Hand gedrückt.
Ich denke, ich schreibe im Namen aller: Danke für die Gastfreundschaft, danke für den tollen Abend.

Claus


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